Freitag, 23. Juni 2017

Gast-Freundschaft #Ramadan

بسم الله الرحمن الرحيم 

Ich schau zum Himmel, wie er langsam seine Sonne umarmt,
Sie still und leise mit seinem blauen Charme umgarnt,
Sie nach einem langen Tag liebevoll und zärtlich in die Arme nimmt,
Während die Sonne schüchtern errötet und im Abendrot langsam ihre Strahlen dimmt,
wie sie sich müde und zufrieden in seiner sanften Berührung zur Ruhe setzt -
Und wie sie dankbar seine Nähe schätzt -
Und unter diesem Manifest ewiger Liebe warte ich sehnsüchtig auf meinen Gast,
Zu dessen Empfang mir mein Herr auch dieses Jahr wieder die Ehre erwiesen hat
Und sobald die Sonne von der Bühne steigt, um dem Mond in seiner Sichelform das Rampenlicht zu überlassen,
Betritt mein Gast mein zu Hause und ich spüre, wie all meine Ängste und Sorgen mich verlassen -

Die Welt steht still, die Sterne schmücken ihre Decke wie kleine Juwelen,
die Engel beben vor Aufregung und beten für jede einzelne unserer Seelen,
legen die Shayateen in Ketten denn Allah will für uns Einfachheit -
die Himmel öffnen die Tore der Vergebung und Barmherzigkeit,
heute beginnt der Monat der Rechtleitung und Einigkeit,
Nächstenliebe, Großzügigkeit, Gemeinsamkeit -
die alten Bücher werden geschlossen um neue zu öffnen,
ab heute kann jeder auf einen Neuanfang hoffen,
denn er ist da, mein geliebter Gefährte, der nur einen Monat bleibt
Aber mir dabei die Schönheit ganzer Ewigkeiten zeigt,
Der mir die tiefsten Geheimnisse des Lebens verrät
Und mich zur Besserung meines Charakters berät
mich unterstützt während ich mich in der besten Version meiner selbst probiere,
tagsüber faste, mich übe in noch mehr Barmherzigkeit und Nächstenliebe,
auf Diät geh’ von schlechten Gewohnheiten, Gedanken und dem Ballast der Seele -

Willkommen im Bootcamp, in dem mein Gast mich diszipliniert,
indem er mich in Geduld, Durchhaltevermögen und Gehorsam trainiert,
während der Körper nach Nahrung schreit und ständig versucht zu rebellieren -
denn während er hungert, ernährt sich der Geist,
macht sich das Herz frei von jeglichem Neid, Egoismus und Heuchelei,
verinnerlicht Empathie, Mitgefühl, Selbstlosigkeit,
und jeder Herzschlag, jeder Nerv und jede Faser, jede Vene, jede Ader pulsiern in hingebungsvoller Dankbarkeit -

Und mit diesem Geschenk stehe ich nachts im Gebet und preise den Namen meines Herrn,
Dessen Wort mir mein Gast brachte aus dem ich bis heute lern
Dass alles im Leben vergeht und nur gute Taten bleiben
Dass es meine Aufgabe ist zu helfen wenn andere Menschen leiden,
Meine Wut zu schlucken, Geduld zu haben und zu verzeihen,
Dass mein Herr mich sieht und hört und niemals vergisst, was ich mache
Und ich eines Tages Rechenschaft ablegen muss, für jede noch so kleine Sache,
Es lehrt Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Vergebung, Nächstenliebe und viel mehr,
Ein zeitloses Buch, tiefgründig wie das Meer
Ohne dem unsere gesamte Existenz sinnlos wär -

Und die Nächte vergehen in gemeinsamer Zweisamkeit von mir und meinem Herrn,
Den Milliarden von Menschen gleichzeitig bitten, und Er trotzdem jeden einzelnen hört,
Es bleibt keine Hand leer, die sich mit Demut und Hoffnung zum Himmel erhebt,
niemand alleine, der sich aufrichtig nach Seiner Nähe sehnt,
jedem, der von Herzen um Verzeihung bittet, wird die Vergebung gewährt,
und jeder, der darum bittet, dem wird die frohe Botschaft beschert -
Und jedem wird gegeben, worum er bittet, wenn er sein Haupt vor Ihm senkt,
„So gedenkt Meiner damit Ich eurer gedenk“,
Eine Liebesgeschichte, die auf der tiefsten Erde beginnt, wenn der Diener sich vor Ihm verneigt,
seine tiefsten und intimsten Gedanken flüstert mit Ihm teilt
und all das in den siebten Himmel steigt -
ob laut oder leise, egal wie oder was er sagt,
Er ist gewiss nah, wenn Sein Diener nach Ihm fragt -

Und so fühlt sich jeder Tag an wie ein einziger Augenblick,
Und genauso schnell vergeht der Monat, bis ich bei seinem Abschied wieder traurig bin,
Und genauso schnell vergeht das Leben, das sich anfühlt wie ein einziger Tag und ehe ich mich verseh, steh ich vor meinem Herrn der mich über meine Taten fragt,
Denn genau das ist das Leben
Ein einziger Augenblick -

Da stehe ich nun wieder, voller Reue, die Zeit nicht gut genug genutzt zu haben,
und muss dir nun schweren Herzens auf Wiedersehen sagen,
mich dabei fragen, ob wir uns jemals wiedersehen?
Ob ich bis zu deiner nächsten Rückkehr überhaupt noch am Leben bin?
Ob ich dir die Gastfreundschaft bat, die dir gebührt und ob ich es ab hier auch allein schaffe, ein besseres Leben zu führn?
Und während die Sonne sich wieder erschöpft in die Arme des Himmels begibt,
der Himmel sie fest umarmt und ihr seine ganze Liebe gibt,
sie beide sich mit dem Schleier der Dunkelheit einkleiden,
der Sichelmond auf die Bühne steigt, um sich von der anderen Seite zu zeigen,
verbleibe ich in Sehnsucht und Hoffnung, dich auch nächstes Jahr zu empfangen -

Und sobald der neue Tag anbricht, brichst auch du auf, Ramadan,
und machst uns stattdessen zu den Gästen Allahs,
wenn wir essen und trinken und gemeinsam all das feiern, was wir durch dich gelernt
haben und setzen es um,
bis du wieder kommst,
und preisen bis dahin die Einheit und Großartigkeit des allerhöchsten Herrn.





https://apod.nasa.gov/apod/ap080112.html

Donnerstag, 6. April 2017

Neuanfang (#saveAleppo)

بسم الله الرحمن الرحیم

Dies sind meine letzten Worte in den letzten Momenten meines einzigen Lebens,
Ich schreibe live aus Aleppo, am Ende eines langen Kampfes ums überleben -
Ich muss mich beeilen, ich hab ne Reise vor mir von endlosen Meilen, denn der Tod wartet auf mich, i
ch 
fand keine Tinte also nahm ich das Blut aus dem Meer von Toten in dem ich steh, ich
kann meine Gedanken nicht verstehn, 
es ist zu laut, überall Schreie, Schüsse, Tränen... Totenstille  -
Wieder eine Hinrichtung, ich muss mich beeilen, bevor ich dran bin - dies ist mein letzter Wille -


Ich schau ein letztes Mal auf meine Stadt, mein zu Hause, mein wunderschönes Land,
der Boden bedeckt von Beeten aus Ruinen und Trümmern, 
in der Luft der Geruch von Minen und Kummer, 
ich hör wie Raketen und Schüsse durch den Himmel ziehn, 
wie hier was eskaliert, da was explodiert,  
Frauen schreien, Kinder weinen, zwischen dem Schutt und den Scherben sieht man Köpfe, Hände und Beine,
Männer, die verzweifelt versuchen, ihre Familien darunter zu finden,
Kinder, die ängstlich nach ihren Eltern suchen und noch nicht wissen, dass sie gerade zu Waisen wurden,
Im Hintergrund das Flackern von lodernden Flammen die bersten vor Wut, heulen auf und verbreiten eine Rauschgas-Flut
und überall, weit & breit, soweit das Auge reicht,
Blut -
Ich seh die Mutter, die sich über ihr Kind stützt, um es mit ihrem Körper vor den Schüssen zu schützen
wie junge Mädchen sich das Leben nehmen wollen, damit sie den Schmerz der Vergewaltigung nicht ertragen müssen,
wie der Vater in die Welt ruft "Bitte kümmert euch um mein Kind" und
wie das Kind allein durch die Straßen läuft & schreit "Ich weiß nicht wo meine Eltern sind",
Ich seh massenhafte Bodenhaltung von Menschen, die auf engem Raum darauf warten, hingerichtet zu werden,
der Blick ist leer, die Tränen schon lange getrocknet, ihre letzten Gedanken und Atemzüge auf dieser Erde,
Ich seh Mord, ich seh den Durst nach Blut, ich sehe puren Genozid,
ich seh wie eine komplette Stadt von der Weltkarte ausradiert wird, während die Menschheit da sitzt und ihr das Lied vom Tod vorspielt -
Ist das alles, beginnt das Leben mit Schreien und endet... hier?   
Und der Tod bleibt stur, bleibt uns weiterhin auf der Spur,
für uns gibt es nur eine Jahreszeit:
Tortur, Bombenregen und ewige Dunkelheit - 

Doch man kann uns nur töten, mehr kann man uns nicht nehmen,
über uns breiten die Engel ihre Flügel aus und dafür zahlen wir gern mit unserem Leben,
unsere Körper bedecken den Boden, doch den Himmel füllen unsere Seelen -
dies ist das Land der stärksten Menschen, bilad al-shaam, der Boden des Segens,
so vieles kam, und alles davon verging, doch unser Glauben blieb immer am Leben -
ich gab das einzige Leben das ich hatte dem Tod, um stattdessen das Paradies zu bekommen, 
es ist vorbei, ich kann es hören, meine Zeit ist gekommen -  

Ich schließe die Augen und seh ein letztes Mal meine Stadt, mein zu Hause, mein wunderschönes Land,
der Boden bedeckt von Beeten aus Blumen und Bäumen
in der Luft der Duft von Hoffnung und neuen Träumen, 
ich hör wie Vögel zwitschernd durch den Himmel ziehn, 
wie man hier was restauriert, da was repariert
wie Frauen und Männer ohne Angst durch die Straßen ziehen

wie Kinder fröhlich und sorgenlos im Park spielen,  
wie ein einst schwer verletztes Volk wieder seine ersten Schritte macht,
wie seine Wunden verheilen und es nach langer Zeit wieder lacht,
wie die Tränen des Landes langsam weggewischt werden,
wie es der hellste, strahlendste Ort wird auf Erden,
Im Hintergrund das Rauschen des Windes, der die frohe Botschaft des Friedens bringt und die Melodie vom Flügelschlag der Engel, die über dem Himmel fliegen,
der Klang der Schritte eines stolzen Volkes auf einem Boden, unter dem Helden liegen,
und überall, weit & breit, soweit das Auge reicht,
Frieden.