Samstag, 1. Februar 2014

Prüfungsangst

بسم الله الرحمن الرحيم

Das Urteil lautet 'Lebenslänglich' -
und ich seh, wie man die Tür verschlossen hat,
eingeschlossen als sei ich jemand, der wen erschossen hat,
seh mein Zimmer, keine Mitbewohner, die Akte, die man geschlossen hat,
weil Er es so beschlossen hat -
Kalt und grau, ich steh im Stau,
nichts bewegt sich, egal wohin ich schau -
die Wände verrücken sich, kommen näher und erdrücken mich,
ich versuche zu laufen, doch stürze bei jedem Versuch,
ich seh keinen Ausgang, nur ein kleines Fenster und ein Buch,
durch das Fenster strahlt ein leichtes Licht, daneben nur ein weißes Tuch -
ich versteh' nicht: wo bin ich hier und was soll ich hier tun?
Woher komm' ich, wohin geh ich, wieso antwortet keiner, hört mir überhaupt jemand zu?

Ich fang an am Sinn meiner Existenz zu zweifeln und versink in Verzweiflung wie die Titanic im Meer,
fall in mich zusammen wie ein Kartenhaus und ich weiß einfach nicht mehr
als ich vorher wusste also bleibe ich stehn, lasse mich gehn, kann in der Dunkelheit nichts mehr sehn,
mein Atem läuft schwer als sei ich in Wehen - wie lange soll das so weiter gehn?
Doch dieses Licht, es strahlt - wenn doch ganz leicht - doch es strahlt,
ich schau hin, so hilflos und allein hab ich doch sowieso keine Wahl,
also steh ich auf und geh ans Fenster, schau hinaus und bin wortlos,
bin im Schock über den Anblick, was ist denn dort los?
Wärme erfüllt mich wie eine Flasche unterm Hahn, Hoffnung erfüllt mich wie Passagiere eine Bahn
und ich fühl die Stärke, wie sie meine Taubheit löst wie ein Knoten,
das Gefühl tut so gut dass ich glaub es ist verboten,
ich vergess mein graues Verließ, greif zum Buch und hör etwas in mir sagen "Lies..."

Willkommen im Leben, wo dir kaum was erlaubt ist,
willkommen im Leben, wo du hinterm elektrischen Zaun stehst,
willkommen im Leben, wo sie dich nicht verstehn und auch du sie nicht verstehst,
willkommen im Leben, in das du für kurze Zeit kommst und dann ganz schnell wieder gehst -
Willkommen im Leben, dem allerstrengsten Gefängnis,
willkommen im Leben, einer Zeit voll von Bedrängnis,
willkommen im Leben, einer Synfonie der Erschwernis -
Wilkommen im Leben, der Show die einfach beginnt,
ob du willst oder nicht, du wirst gedrillt, trägst die Pflicht, egal aus welcher Sicht -
Willkommen im Leben, wo wir leben um zu sterben,
um dann am Ende das, was anderen gehörte zu erben -
Willkommen im Leben, wo wir ernten was wir säen,
wo wir lernen, dass wir kommen und sowieso wieder gehn
Also sagt man uns wir sollen leben als würden wir den Morgen nicht sehn
und über jede Grenze gehn, dabei unsere Blicke schärfen,
hinsehn und hingehn, wenn wir Lust haben und uns unsern Trieben unterwerfen,
uns an keine Regeln halten, den Verstand völlig ausschalten, keine Klasse in unserm Verhalten
und so fortfahrn bis wir alt sind - aber nein nicht mit mir,
ich krieche nicht auf allen Viern vor meinen Begierden wie ein Tier,
ich weiß wozu ich hier bin, denn ich bin ein auserwählter Diener,
ein würdevoller Diener mit nem Sinn in seinem Sein wie die Königin der Bienen
und Er schuf mich mit Liebe, gab mir den Willen und nen Verstand
mit dem ich verstand dass das Leben eine Prüfung ist, keine Prüfung einfach ist,
und das Leben kein Zweitfach ist - dass nur der geprüft wird, der was kann,
nur der viel tragen muss, der was tragen kann und kein Bizeps ohne hartes Training wächst -
Ich brauch kein Becks um Spaß zu haben denn ich kann auch ohne Saufen,
kein S** um Wert zu haben, denn ich muss mich nicht verkaufen,
und entschuldigt meine Wortwahl doch wozu die ganze Qual,
vor der Wahrheit wegzulaufen, sich den Kopf mit Mist zu füllen, sich in Illusionen einzuhüllen,
den Wunsch der Triebe zu erfüllen und ein Leben leben ohne Erfüllung?

Nein, nicht mit mir - also willkommen im Leben, das wir leben, um Ihm zu dienen,
willkommen im Leben, wo wir uns nur Ihm unterwerfen und sonst niemand,
willkommen im Leben, wo wir ernten was wir säen,
wohin wir kommen und dann gehn, um das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verbieten;
wo wir leben in der Angst, den morgen nicht mehr zu sehn
und wo wir an die Grenzen unseres Verstandes gehn und dabei unsere Blicke senken,
nicht hinsehn und weggehn, denn Er wird uns Partner der Ewigkeit schenken -
Willkommen im Leben, in der nach der Bedrängnis die Erleichterung folgt,
der Sinuskurve, in der nach jedem Tief ein Hochpunkt kommt,
und nur der gewinnt, der gut ist und fromm
zu seinen Menschen, und sein Haupt nur vor dem Schöpfer auf den Boden legt,
der sein Ego bekämpft und für seine Bedürfnisse auch Verantwortung trägt
und der für die Ewigkeit lebt -
Der Ewigkeit in Seinem Garten, mit Frieden und Genüssen aller Arten,
einem Ort, in dem keine Prüfung mehr hart ist -

Und das Urteil lautet 'Lebenslänglich',
doch das Leben ist vergänglich und nur der Glaube ist verlässlich
also glaub' an Ihn und diene Ihm,
leb' kein Leben eines Viehs, leb' für Ihn und nicht fürs Hier
und Jetzt, denn jetzt kommt's dir so lang vor und so schwer erträglich,
doch für die Seele ist diese Denkweise schädlich -
und wir können hoffen, solang' Er lebt, der Allmächtige, der ewig Existierende,
der uns das Fenster der Hoffnung gab, denn Er ist der Liebende -
und Er gab uns als Wegweiser Sein Buch und als Ausgang das weiße Tuch,
und wenn wir durchhalten und bestehen, werden wir uns wiedersehn',
wenn wir zu Ihm zurückkehrn, in Frieden und von allem Schmerz fern,
denn "Alles auf Erden ist vergänglich, bis auf das Antlitz deines Herrn".

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