Donnerstag, 6. April 2017

Neuanfang (#saveAleppo)

بسم الله الرحمن الرحیم

Dies sind meine letzten Worte in den letzten Momenten meines einzigen Lebens,
Ich schreibe live aus Aleppo, am Ende eines langen Kampfes ums überleben -
Ich muss mich beeilen, ich hab ne Reise vor mir von endlosen Meilen, denn der Tod wartet auf mich, i
ch 
fand keine Tinte also nahm ich das Blut aus dem Meer von Toten in dem ich steh, ich
kann meine Gedanken nicht verstehn, 
es ist zu laut, überall Schreie, Schüsse, Tränen... Totenstille  -
Wieder eine Hinrichtung, ich muss mich beeilen, bevor ich dran bin - dies ist mein letzter Wille -


Ich schau ein letztes Mal auf meine Stadt, mein zu Hause, mein wunderschönes Land,
der Boden bedeckt von Beeten aus Ruinen und Trümmern, 
in der Luft der Geruch von Minen und Kummer, 
ich hör wie Raketen und Schüsse durch den Himmel ziehn, 
wie hier was eskaliert, da was explodiert,  
Frauen schreien, Kinder weinen, zwischen dem Schutt und den Scherben sieht man Köpfe, Hände und Beine,
Männer, die verzweifelt versuchen, ihre Familien darunter zu finden,
Kinder, die ängstlich nach ihren Eltern suchen und noch nicht wissen, dass sie gerade zu Waisen wurden,
Im Hintergrund das Flackern von lodernden Flammen die bersten vor Wut, heulen auf und verbreiten eine Rauschgas-Flut
und überall, weit & breit, soweit das Auge reicht,
Blut -
Ich seh die Mutter, die sich über ihr Kind stützt, um es mit ihrem Körper vor den Schüssen zu schützen
wie junge Mädchen sich das Leben nehmen wollen, damit sie den Schmerz der Vergewaltigung nicht ertragen müssen,
wie der Vater in die Welt ruft "Bitte kümmert euch um mein Kind" und
wie das Kind allein durch die Straßen läuft & schreit "Ich weiß nicht wo meine Eltern sind",
Ich seh massenhafte Bodenhaltung von Menschen, die auf engem Raum darauf warten, hingerichtet zu werden,
der Blick ist leer, die Tränen schon lange getrocknet, ihre letzten Gedanken und Atemzüge auf dieser Erde,
Ich seh Mord, ich seh den Durst nach Blut, ich sehe puren Genozid,
ich seh wie eine komplette Stadt von der Weltkarte ausradiert wird, während die Menschheit da sitzt und ihr das Lied vom Tod vorspielt -
Ist das alles, beginnt das Leben mit Schreien und endet... hier?   
Und der Tod bleibt stur, bleibt uns weiterhin auf der Spur,
für uns gibt es nur eine Jahreszeit:
Tortur, Bombenregen und ewige Dunkelheit - 

Doch man kann uns nur töten, mehr kann man uns nicht nehmen,
über uns breiten die Engel ihre Flügel aus und dafür zahlen wir gern mit unserem Leben,
unsere Körper bedecken den Boden, doch den Himmel füllen unsere Seelen -
dies ist das Land der stärksten Menschen, bilad al-shaam, der Boden des Segens,
so vieles kam, und alles davon verging, doch unser Glauben blieb immer am Leben -
ich gab das einzige Leben das ich hatte dem Tod, um stattdessen das Paradies zu bekommen, 
es ist vorbei, ich kann es hören, meine Zeit ist gekommen -  

Ich schließe die Augen und seh ein letztes Mal meine Stadt, mein zu Hause, mein wunderschönes Land,
der Boden bedeckt von Beeten aus Blumen und Bäumen
in der Luft der Duft von Hoffnung und neuen Träumen, 
ich hör wie Vögel zwitschernd durch den Himmel ziehn, 
wie man hier was restauriert, da was repariert
wie Frauen und Männer ohne Angst durch die Straßen ziehen

wie Kinder fröhlich und sorgenlos im Park spielen,  
wie ein einst schwer verletztes Volk wieder seine ersten Schritte macht,
wie seine Wunden verheilen und es nach langer Zeit wieder lacht,
wie die Tränen des Landes langsam weggewischt werden,
wie es der hellste, strahlendste Ort wird auf Erden,
Im Hintergrund das Rauschen des Windes, der die frohe Botschaft des Friedens bringt und die Melodie vom Flügelschlag der Engel, die über dem Himmel fliegen,
der Klang der Schritte eines stolzen Volkes auf einem Boden, unter dem Helden liegen,
und überall, weit & breit, soweit das Auge reicht,
Frieden.

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